Ästhetische Revolutionen, Kunsthandwerk und Lebenslust: Ereignisreicher Kulturherbst und Vorweihnachtsflair in Chemnitz

29.09.2016

PRESSE-INFORMATION

September 2016

Ästhetische Revolutionen, Kunsthandwerk und Lebenslust:
Ereignisreicher Kulturherbst und Vorweihnachtsflair in Chemnitz

Kunstwochenende oder Weihnachtsbummel? Auch zum Jahresende hin bietet die Stadt
der Moderne besondere Kulturerlebnisse und lädt zu Entdeckungen auch jenseits des
Stadtzentrums ein. Revolutionär oder subversiv: Mehrere, sich thematisch ergänzende
Ausstellungen zeigen, wie Künstler zwischen Aufbegehren, Sozialutopie und
Ausdruckswillen überlebte Strukturen sprengten und neue Formen entwickelten, deren
Einfluss bis heute wirksam ist.
Als Reflexionsort für brandaktuelle Themen fordert das Theater Chemnitz mit einem
Theatertreffen anlässlich des 5. Jahrestages der NSU-Aufdeckung zur Teilnahme am
gesellschaftlichen und politischen Diskurs heraus; das Figurentheater des Vier-Sparten-
Hauses präsentiert dazu die Uraufführung eines neu entwickelten Stücks.
Weihnachtsstimmung und Lebenslust verbreiten neben dem großen Chemnitzer
Weihnachtsmarkt, der Besucher aus aller Welt anzieht, kleinere Märkte auf dem Brühl und
Kaßberg: charmante weihnachtliche Straßenfeste mit originellem Kunsthandwerk und
Leckereien. Und dann vielleicht noch Club, Party oder Opernball? Seien Sie dabei!

Chemnitzer Highlights im Spätherbst und Winter 2016
- Theater-Treffen „Unentdeckte Nachbarn“ – Schauspielhaus 1.-11.11.2016
- Gitte und Klaus Hähner-Springmühl 22.11.2016 – 19.02.2017 und Akos Novaky
06.12.2016 – 05.02.2017 in der Neuen Sächsische Galerie
- Kunstsammlungen Chemnitz: Revolutionär! Russische Avantgarde aus der
Sammlung Vladimir Tsarenkov 11.12.2016 – 12.03.2017
- Chemnitzer Weihnachtsmarkt 25.11. – 23.12.2016 – Advent auf dem Kaßberg, auf
dem Brühl und im Wasserschloss Klaffenbach 11.12.2016

Bühne für Fragen und gegen das Schweigen
Theater-Treffen am Schauspiel Chemnitz zur Aufdeckung des NSU – Uraufführung
des Figurentheaters

Das Theater-Treffen "Unentdeckte Nachbarn" in Chemnitz und Zwickau will die öffentliche
Debatte um den NSU-Komplex ergänzen und mögliche Perspektiven, Visionen sowie
Handlungsalternativen für das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft aufzeigen.
Dafür erarbeitet das Figurentheater Chemnitz unter der Regie von Laura Linnenbaum
das Stück Unentdeckte Nachbarn von Gerhild Steinbuch, das die Autorin mit der
Regisseurin entwickelt hat. Die Theaterproduktion setzt sich mit den Entstehungsprozessen
und Hintergründen, den Verstrickungen und zivilgesellschaftlichen Folgen des
Nationalsozialistischen Untergrunds in Sachsen und in Deutschland auseinander. Dieser
Diskurs wirft mehr Fragen auf, als er Antworten liefert, zum Beispiel:
Ist die White-Power-Ideologie der Terrorgruppe ein Import aus den USA, der in Thüringen
auf fruchtbaren Boden fiel? Handelt es sich um medial hochstilisierte Einzeltäter? Wer sind
die Hintermänner? Welche Verantwortung trägt der Verfassungsschutz, dessen V-Leute
immerhin Naziorganisationen zu gründen halfen? Gab und gibt es strukturelle Ursachen für
Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland, wie z. B. die gefühlte Armutsbedrohung des
Mittelstandes? Ist der NSU besser als paneuropäische Erscheinung zu begreifen? Wer hat
Angst vorm schwarzen Mann? Und was hat das alles mit Stülpner Karl zu tun, dem „Robin
Hood“ des Erzgebirges?
Zum Theater-Treffen eingeladen sind ferner Inszenierungen wie "Die Lücke" des
Schauspiels Köln (Regie: Nuran David Calis) und "Urteile" des Residenztheaters München
(Regie: Christine Umpfenbach), in denen die Auseinandersetzung mit dem NSU und
seinen Folgen künstlerisch vielseitig reflektiert wird. Inszenierungsbegleitende
Publikumsgespräche, Diskussionsrunden und Workshops sowie ein internationales
Symposium ergänzen das Programm des Festivals.
01. bis 11.11.2016; weitere Informationen www.theater-chemnitz.de und
www.unentdeckte-nachbarn.de

Wiederbegegnung mit Kunstrebellen aus Karl-Marx-Stadt
Zwei Ausstellungen in der Neuen Sächsischen Galerie sind wichtigen Protagonisten
der autonomen Kunstszene in der DDR gewidmet – Gelegenheit, die besondere
Stellung von Chemnitz als Kunst-Standort zu reflektieren.
Klaus Hähner-Springmühl (1950-2006), heute im Westen wenig bekannt, gilt als einer
der einflussreichsten Künstler der DDR-Jahre. Immer in Distanz zur offiziellen Linie, schuf
er fern der Kulturbürokratie im Karl-Marx-Stadt der 1970er und 1980er Jahre als Autodidakt
ein expressives Werk – Zeichnungen, die an Penck erinnern (mit dem er vor dessen
Ausreise Kontakt hatte, Gemälde und vor allem Fotoübermalungen. Mit Ausstellungen in
der legendären Karl-Marx-Städter Wohnungs-Galerie Oben und Gerd Harry Lybkes
Galerieprojekt EIGEN + ART erlangte er Kultstatus in der DDR-Kunstszene. Performances
und Aktionskunst zählten gleichermaßen zu seinen Ausdrucksmitteln; mit seiner Frau, der
Musikerin und Künstlerin Gitte Hähner-Springmühl, und Erich Wolfgang Hartzsch trat er in
der Freejazz-Formation „Kartoffelschälmaschine“ auf. Er trennte nicht zwischen Kunst und
Leben, verursachte Skandale und inspirierte er die jüngere Künstlergeneration weit über
Chemnitz hinaus – von Wolfram Adalbert Scheffler über Thomas Florschuetz bis Olaf und
Carsten Nicolai. Immer unangepasst und stets ein Außenseiter, fand der eigenwillige
Künstler in den Nachwendejahren keinen Anschluss im Kunstmarkt und starb
zurückgezogen 2006 in Leipzig.
Mehr hier: www.bethanien.de/exhibitions/klaus-haehner-springmuehl/
Getrennt von ihm schuf Gitte Hähner-Springmühl ihr Oeuvre mit Bildern, Zeichnungen
und Land Art.
Ein Zeitgenosse dieser für die Kunst prägenden Jahre ist der gebürtige Ungar Akos
Novoky, der nach dem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
blieb. Er perfektionierte den Holzschnitt, schuf aber auch Objekte und Gemälde. Werke von
ihm wurden u.a. in Leipzig, Dresden, Berlin und Budapest gezeigt und sind in öffentlichen
Sammlungen wie dem Grassi Museum Leipzig,dem Dresdner Kupferstichkabinett und der
Sammlung der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz vertreten.
Gitte und Klaus Hähner-Springmühl 22.11.2016 – 19.02.2017; Akos Novaky
06.12.2016 – 05.02.2017; mehr Informationen – www.neue-saechsische-galerie.de

Revolutionär! – Russische Avantgarde aus der Sammlung Tsarenkov
Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen russische Avantgarde

Vladimir Baranow-Rossiné: Selbstporträt (1914) – Alexandra Exter: Farbkomposition (1921)
Neue Formen, neue Inhalte, radikaler Bruch mit dem Überkommenen: Die Kunst der
Moderne verband den ästhetischen Aufbruch mit der Utopie, mittels der Kunst in die
Lebenswelt selbst gestaltend eingreifen zu können. Die Ausstellung zeigt neben
bildnerischen Arbeiten auch Architekturmodelle und Entwürfe für Theaterdekorationen,
Bucheinbände, Textilien oder Porzellan. In keinem anderen europäischen Land verband die
Avantgarde so unmittelbar Kunst und soziales Engagement. Die Künstler Russlands
entwickelten eigene künstlerische Spielarten wie Kubofuturismus oder Suprematismus und
zielten auf eine neue Internationalität der Kunst. Die Größe ihrer Visionen und ihre Tatkraft
faszinieren bis heute.
11.12. 2016 bis 12.03.2017; mehr Informationen – www.kunstsammlungen-chemnitz.de

Junge zeitgenössische Kunst aus Sachsen
Museum Gunzenhauser: „Goldene Aue“ von Anya Triestram

Die achte Ausstellung der Reihe „Junge zeitgenössische Kunst aus Sachsen“ zeigt
„Goldene Aue“ von Anya Triestram (Jahrgang 1977). Ihre zwischen Abstraktion und
Naturabbildung schwankenden Arbeiten – u.a. Linolschnitte, großformatige Pastelle und
Holzplastiken – greifen Motive des Waldes auf und verstehen sich als poetische
Variationen einer surrealen Welt zwischen Natur und Ornament.
Noch bis 20.11.2016; mehr Informationen – www.kunstsammlungen-chemnitz.de

Erzgebirgszauber, Baumwollbaum und Wasserschloss
Weihnachtsmärkte in Chemnitz – Vielfalt für Entdecker

Im Winter zeigt die Stadt der Moderne ihre romantischen Seiten: Pünktlich zum ersten
Advent eröffnet auf dem Rathausplatz der traditionelle Chemnitzer Weihnachtsmarkt mit
der großen Bergparade der erzgebirgischen Bergbruderschaften mit 900 Uniformierten und
375 Bergmusikanten. Rund um die 12 Meter hohe Weihnachtspyramide gruppieren sich
über 170 Stände: Es gibt erzgebirgische Holzkunst – Schwibbögen, Nussknacker und
Kurrendesänger, daneben sind auf dem Mittelaltermarkt Gaukler, Feuerschlucker und
allerhand altes Handwerk zu bestaunen. Bei Glühwein, Bratäpfeln und Gewürzduft
kommen Bewohner und Besucher aus aller Welt in Weihnachtsstimmung... Manche halten
den Chemnitzer Weihnachtsmarkt für den schönsten in Sachsen.
Doch Chemnitz in der Vorweihnachtszeit hat noch mehr zu bieten: Als Mischung aus
Straßenfest und Weihnachtsmarkt präsentieren am zweiten Adventswochenende in einigen
Stadtteilen aus Nachbarschaftsinitiativen entstandene kleine, feine Märkte Ungewöhnliches
und Ausgefallenes:
„Finden Sie, was Sie nicht suchen!“ lockt eine Initiative lokaler Läden, Künstler, Cafés und
Hausgemeinschaften zum dritten Mal zu EinhundertMeter Weihnachtsmarkt auf den
Kaßberg:
Vor den eleganten Gründerzeitfassaden der Ulmen- und Franz-Mehring-Straße lassen sich
Kulturelles und Kulinarisches genießen und wirklich individuelle Geschenke entdecken.
Kalligrafie, Papeteriewaren oder Schmuck, Stricksachen oder Wohnaccessoires – gekonnt
designte und liebevoll gefertigte Produkte, von Chemnitzer Kreativen gefertigt oder
zusammengetragen. Mitmach-Fotoaktionen, Märchenlesungen und Live-Musik laden zum
Zuhören und Verweilen ein, und natürlich gibt es Kuchen von Emmas Onkel... Sehen Sie
selbst.
Einen weiteren alternativen Weihnachtsmarkt gibt es auf dem Brühl: Der zentrumsnahe
Boulevard, lange Sorgenkind der Innenstadt, entwickelt sich mehr und mehr zum jungen
Stadtquartier: Um die Ecke entsteht in der historischen Aktienspinnerei die moderne
Universitätsbibliothek, auf dem Brühl leuchten Graffiti um die Wette mit neu renovierten
Fassaden. Hier lädt die Chemnitzer Initiative Europäische-Kunst-Gemeinschaft e.V. am
11.12.2016 zum Kleinkunst- und Eventmarkt Baumwollbaum. Künstler und Handwerker
bieten ausschließlich selbst gefertigte Waren an: urbane Holzkunst, selbst genähte T-Shirts
und Pullis oder originelles Gestricktes. An manchen Ständen kann man zusehen, wie die
Produkte hergestellt werden – Gelegenheit zum Austausch mit Kunsthandwerkern und
Selfmade-Designern von nach und fern. Eines der Brühlpodeste wird zur Bühne für Auftritte
von Chemnitzer Sängern und Musikern; bei heißen Getränken und deftig Gegrilltem
kommen Macher und Gäste ins Gespräch. www.baumwollbaum.de
Gleichfalls am zweiten Adventsonntag laden Klaffenbacher Vereine und Gewerbetreibende
von 11:00 bis 18:00 Uhr zum Weihnachtsmarkt im bezaubernden Ambiente des
Wasserschlosses Klaffenbach. Auf der Bühne im Schlosshof gestalten Kinder ein
weihnachtliches Programm.
Und nach dem Bummel geht es an den Strand: Der Uferstrand, nicht weit vom Museum
Gunzenhauser direkt an der Chemnitz gelegen, wird ab November zum Winterdorf: Dort
kann man auf überdachter Turnierbahn Eisstockschießen oder einfach entspannt
Glühweihntrinken und den nach dem Weihnachtsmarkt noch weiter feiern.

Arrangement Chemnitzer Weihnachtszauber
Die Tourist-Information bietet Arrangements für Individual- oder Gruppenreisende an:
Leistungen:
- 2 Übernachtungen inkl. Frühstück in einem Chemnitzer Hotel
- Ticket für einen öffentlichen Stadtrundgang
- Eintritt in ein Chemnitzer Museum Ihrer Wahl
- Saisonales Zwei-Gänge-Menü in einem historischen Restaurant
- 1 weihnachtliches Souvenir pro Zimmer
Angebot für Individualreisende:
Arrangement im Doppelzimmer: ab 155 €* pro Person
Arrangement im Einzelzimmer: ab 185,00 €* pro Person
*Preise je nach Verfügbarkeit und Hotel
Auch zu anderen Kulturangeboten stellt die Tourist-Information Chemnitz gerne individuelle
Arrangements zusammen. Buchungskontakt: Tourist-Information Chemnitz Tel. 0371 690-
680 Fax 0371 690-6830 info@chemnitz-tourismus.de

Weitere kulturelle Attraktionen auf einen Blick:
- Staatliches Museum für Archäologie: Geld 27.05. – 30.12.2016 –
www.smac.sachsen.de
- Sächsisches Industriemuseum Chemnitz: Material-Effekte. Ausstellung prämierter
und ausgewählter Arbeiten des 6. Internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbs
02.10.2016 – 08.01.2017 – www.saechsisches-industriemuseum.com
- Weltecho: Weihnachtsmilonga 16.12.2016 – www.weltecho.eu
- Theater Chemnitz: 15. Chemnitzer Opernball Galakonzert mit der Robert-
Schuhmann-Philharmonie, anschließend Ball am
11.02. 2017 – www.theater-chemnitz.de


Foto: Ulf Dahl